Rezension: Mutter hat Krebs

Rezension: Mutter hat Krebs

Ganz durch Zufall bin ich in einem modernen Antiquariat darüber gestolpert: „Mutter hat Krebs“, einem Comic von Brian Fries aus dem Jahr 2005.

Seit einigen Jahren bin ich Künstlerischer Leiter in einer Werbeagentur, die sich ausschließlich auf Unternehmen im Pharmabereich spezialisiert hat, und als solcher auch mit den Auswirkungen diverser Krankheiten konfrontiert. Gerade im Onkologie-Bereich bin ich sehr mit den unterschiedlichsten Therapien vertraut und weiß also um deren Wirkungen und vor allem: Nebenwirkungen!

So war ich gleichermaßen beruflich wie privat an Brian Fries’ Comicgeschichte interessiert. Sie erschien erstmals im Jahr 2004 als Webcomic in Fortsetzungen und erzählt die autobiografische Geschichte der Mutter von Fies, die an metastasiertem Lungenkrebs erkrankt ist. Im Mittelpunkt stehen sowohl ihr Kampf gegen den Krebs als auch die Reaktion der Familie darauf.

Ich habe eine Zeit gebraucht, um „Mutter hat Krebs“ in die Hand zu nehmen, verspricht der Titel ja nicht gerade eine „angenehme Lektüre“. Aber einmal damit angefangen, konnte ich den Comic nicht mehr weg legen, setzte er sich doch mit dem Thema „Krebs“ sehr subjektiv und teilweise sogar ausgesprochen humorvoll auseinander, ohne jedoch den Fokus auf den Ernst des Themas zu verlieren.

Fies textet und zeichnet seinen Comic aus „seiner“ Sicht, der Sicht des ältesten, durch die Wucht der Ereignisse deutlich überforderten Kindes der an Lungenkrebs erkrankten Mutter. Ihm zur Seite stehen „Die Große“ (seine jüngere Schwester) sowie „Die Kleine“ (Nachzüglerin aus der zweiten Ehe seiner Mutter), die aber ebenfalls ihr Päckchen zu tragen haben. Und jeder von ihnen versucht auf ganz eigene Art und Weise, mit der schweren Erkrankung der Mutter umzugehen, manchmal rational, manchmal emotional. In seinem Vorwort schreibt Brian Fries, dass sein Comic nicht als medizinisches Handbuch zu verstehen sein soll, vielmehr beschreibe es die „emotionalen und lebenspraktischen Auswirkungen einer schweren Erkrankung“, die fast immer die gleichen seien.

In seinen besten Momenten erinnern Fies’ Zeichnungen an Wattersons „Calvin & Hobbes“ und sein Erzählstil an Scott McCloud und Will Eisner. Und so war es fast wenig verwunderlich, dass sein Comic im Jahr 2005 den „Eisner Award“ für den „Besten Digitalen Comic“ erhielt, der in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wurde. 2007 folgten dann mit dem „Harvey Award“ und 2008 mit dem „Deutschen Jugendliteraturpreis“ weitere wichtige Auszeichnungen. „Mutter hat Krebs“ ist ein Comic, der bewegt und nachdenklich stimmt, dabei aber durchaus unterhält.

Ich war traurig, als ich ihn las aber glücklich, dass ich ihn gelesen habe!

Mutter hat Krebs von Brian Fies

  • Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
  • Verlag: Knesebeck; Auflage: 1., Aufl. (17. März 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3896603566
  • ISBN-13: 978-3896603562
  • Originaltitel: Mom`s Cancer