Asterix: Der Papyrus des Cäsar

Asterix: Der Papyrus des Cäsar

Der Bann ist gebrochen: Der 36. Asterix-Band „Der Papyrus des Cäsar“ ist gut! Puh!

Warum, mag man sich fragen, mache ich da so ein Fass auf? Asterix, das weiß man doch, ist doch gut! Witzig, bissig, überdreht – ein französisches, ach was sage ich, ein europäisches Kulturgut! „Jaaaa“, entgegne ich und kratze mich am Kopf, „das mag zwar für die alten Bände gelten, die neuen aber sind der schiere Grauen!“

Es ist kein Geheimnis, dass seit dem Tod des genialen Texters René Goscinny im Jahre 1977 die Qualität der einzelnen Alben stetig abgenommen hat. Goscinnys letzter Beitrag zur Serie um den durchaus liebenswerten Gallier war „Asterix bei den Belgiern“, danach übernahm der Zeichner Uderzo auch noch den Text. Und konnten die Alben „Der große Graben“ und „Die Odyssee“ noch überzeugen, so war es in den 90er Jahren unübersehbar, dass Qualität zugunsten eines zutiefst archaisch-patriarchischem Weltbild wich. Erster Tiefpunkt war sicherlich „Asterix und Maestria“, der definitive Bodensatz wurden dann sicherlich im Band „Gallien in Gefahr“ erreicht, in dem niedliche Walt-Disney-Kreaturen gegen grauenhafte Manga-Monster kämpften. „Gallien“ in Gefahr? Nein, „Asterix“ in Gefahr!

Irgendwie muss das auch Uderzo erkannt haben, vielleicht hatte er einen lichten Moment, einen guten Berater oder wurde einfach zu tattrig, um noch vernünftig einen Stift zu halten. Jedenfalls übergab er den Staffelstab an das Texter/Illustratorengespann Fern und Conrad, die 2013 ihren ersten Band ablieferten. Zwar wurde „Asterix bei den Pikten“ noch nicht der ganz große Wurf, eine Tendenz in die richtige Richtung war aber erkennbar! Uderzo hatte nach wie vor die Finger drin und man merkte, dass die beiden dadurch irgendwie gehemmt waren und die Geschichte untermotorig lief.

Das kann man vom aktuellen Band wirklich nicht behaupten!

„Der Papyrus des Cäsars“ ist der erste RICHTIGE Asterix-Band seit langem. Die Geschichte hat Witz, Tempo und intelligenten Humor, aber vor allem hat sie Hand und Fuß! Aktuelles Tagesgeschehen wird meisterhaft mit historischem Wissen verknüpft, hier und da blitzt auch wieder subversiver Humor auf. Fast fühlt man sich wie zu Goscinnys Zeiten!

Und die Zeichnungen? Grandios! Nun ist Dieter Conrad ein alter Hase auf dem Feld des Funny-Comics, er ordnet seinem Stil aber der großen Sache unter, so dass das Fehlen Uderzos nicht ins Gewicht fällt! Tatsächlich hatte ich bei „Gefahr für Gallien“ das Gefühl, dass dem Zeichner Oderzo die Illustration seiner Figuren ein wenig entglitten war (oder bin ich der einzige, dem das Cover irgendwie „falsch“ vorkommt?).

Kurz & gut: Ein tolles Leseerlebnis, der beste Asterix seit langem! Ich freu mich richtig auf den nächsten (ein bisschen Luft nach oben ist da noch – aber nur ein wenig). Puh!

Erster Asterix: „Asterix und Kleopatra“
Lieblings-Asterix: „Asterix als Legionär“
Schlimmster Asterix: „Gallien in Gefahr“