Über 15 Jahre war ich dabei, über 3.500 Beiträge habe ich hochgeladen, mit über 1.300 Follower habe ich interagiert – aber ab habe ich Instagram den Stecker gezogen und meine Social Media-Aktivitäten eingestellt.

Mein Ausstieg aus den Sozialen Netzwerken hat sich eher schleichend vollzogen. Erst WhatsApp, dann Telegram, zwischendurch Twitter und vor zwei Jahren dann Facebook (ich hatte damals schon einen Artikel dazu veröffentlicht). Auf Instagram bin ich recht lange geblieben, war die Plattform für mich der ideale Ort, um zu netzwerken, zu informieren, informiert zu werden und um inspiriert zu werden. Zudem ebenfalls ideal, um mit den Leuten in Verbindung zu bleiben. Daran hat sich eigentlich auch nie etwas geändert. An der Plattform selber allerdings schon, nach der Übernahme durch Meta wurde sie immer schlechter und immer benutzerunfreundlicher. Das ist ein Phänomen, das man regelmäßig beobachten kann, nachdem StartUps von BigTech übernommen wurden. Der Welpenschutz ist vorbei, jetzt muss Geld verdient werden. Und wie immer gilt: Wenn das Produkt nichts kostet, dann bist du das Produkt.

Als erstes stieß mir die Änderung des Algorithmus‘ übel auf. Auf einmal ging es mehr um Expansion denn um Interaktion. Man sah auf plötzlich weniger von Dingen, die einen interessieren und gottlos mehr von Dingen, die einen interessieren könnten. Die Recommendation Engine als Tor zur Hölle. Dann wurde der Fokus auf Videos gelegt und das öffnete dann ein weiteres Höllentor, aus dem die Influencer strömten. Vielleicht bin ich ja zu alt, aber dieses Berufsbild verstehe ich einfach nicht. Wo besteht die Notwendigkeit, mir freiwillig Menschen anzuschauen, die mir Schrott andrehen wollen? Der totale Ausverkauf, sowohl auf Sender- als auch auf Empfängerseite. Bei den ehemaligen Content Creators, die sich für die schnelle Kohle von ihrer Integrität trennten („Ich mache nur Werbung für Produkte, von denen ich überzeugt bin“) und bei den Zuschauern, die das Spiel mitgemacht haben. Und zu dieser Werbung kam natürlich noch reguläre, an der Meta dann ordentlich verdiente. Ich will gar nicht meckern, Geld muss ja verdient werden. Da nahm ich auch die Zwangs-„Werbepausen“ in Kauf, die allerdings ebenfalls immer mehr wurden.

Richtig problematisch finde ich allerdings den Suchtfaktor der App. Herzchen, Kommentare, endlosen Scrollen – als das schüttet den Botenstoff Dopamin aus, der uns glücklich macht. Und das ist von Meta auch genau so gewollt. Wer von uns hat denn nicht schon nachts um Drei doomscrollend (bezeichnend, dass es dafür sogar einen eigenen Namen gibt) auf dem Klo gehockt anstatt ins Bett zu gehen. Ich auf jeden Fall – mehrfach! Das macht die Plattform schon recht clever.

Zu guter Letzt: Der Nutzungsbestimmungs-Hickhack. Meta möchte ein Recht an meinen hochgeladenen Inhalten haben, meine Likes für ihre Werbung verwenden und ihre KI mit meinen Werken füttern. Klar, dass man dem widersprechen konnte und musste, aber will ich wirklich dieser Firma weiterhin meine Werke anvertrauen?

Aber das für mich wichtigste K.O.-Kriterium für Social Media am Schluss: Es frisst einfach sehr viel Zeit. Zeit, die ich nutze, um meine Inhalte auf eine fremde Seite zu stellen un diese dann über Umwege wieder auf meiner Seite zu spiegeln. Das lasse ich jetzt schön. Meine freigewordene Zeit werde ich in Zukunft in die Inhalte dieser Website stecken, ein Newsletter ist in Arbeit. Ich werde meine freigewordene Zeit zur Pflege meiner Beziehung verwenden. Und ich werde wieder mehr lesen.

Natürlich bin ich traurig darüber, nicht mehr in einfache und unkomplizierte Interaktion mit meinen (Online-) Freunden treten zu können, aber ich bin ja nicht aus dem Netz und jeder, der mich finden will, wird dies auch hinbekommen. Ziel ist es, diese Website als Anlaufstelle für all meine Online-Aktivitäten auszubauen.

Und nochmal kurz zum Thema „Sucht“: Wie ein Ex-Raucher, der bei bestimmten Situationen noch instinktiv nach seiner Schachtel greift, erwische ich mich, wie ich versuche, die App zu öffnen. Ich stutze dann immer, denn der Ordner ist leer. Und dann freu ich mich ein bisschen.

Man sieht sich im wahren Leben!