Nun liegt das Comicjahr 2026 schon ein wenig mehr als die Hälfte hinter uns und ich stelle mir für euch die Frage: Was hat in dieser Zeit meinen Stift verlassen?

Dieses Jahr stand bisher vor allem unter dem Motto „Beteiligung statt Einzelkampf“, begann aber mit den Spätausläufern von „Einstober„, meinem „Inktober“-Beitrag von 2025. Ich hatte 36 einseitige Kurzgeschichten (analog) zu zeichnen und musste noch die letzten fünf davon beenden. Aber natürlich war’s das noch lange nicht, die Storys wollten schließlich koloriert werden.

Im Anschluss hieß es Gas geben: Für die Anthologie COZMIC durfte ich die Titelgeschichte zeichnen, die zwölf Seiten umfasste. Titelbild und die ersten zwei Seiten entstanden bereits im letzten Jahr, dann legte ich die Arbeit erst einmal auf Eis. Es fehlten noch zehn Seiten meiner SciFi/Horror-Kurzgeschichte „Passage„. Und die Kolorierung natürlich auch. Fun Fact: Die Story hatte ich schon 2018 entwickelt, damals hieß die Geschichte allerdings noch „Metall“ und entstammte meinem „Enklave“-Zyklus. Rückblickend war es gut, dass sie noch acht Jahre „reifte“. Ich habe noch eine Metaebene eingezogen und eine Pointe gefunden, die sich gewaschen hat.

Nahtlos ging es weiter mit einem Teaser zu „Vergeltungswaffe V4„, dem vielleicht ersten „echten“ Superheldencomic aus Deutschland. Das wird ein ziemliches Brett, das ich für den jungen Verlag „Dude’s Originals“ bohren darf und ich bin überzeugt, dass das Thema „Superhelden“ in Deutschland noch nie auf diese Art behandelt worden ist. Ein spannendes Novum, geplant für 2027.

Mit fliegenden Fahnen wechselte ich im Galopp zur Ligne Claire. Andreas Tolxdorf, Erfinder der fantastischen Detektivcomic-Reihe „Benno Bonnet“, fragte mich für einen Beitrag für eine Extra-Ausgabe seiner Comicreihe an und ich steuerte „Ferien mit Hindernissen“ bei, ein sechsseitiger Krimi mit Mysterien am laufenden Band. Hier versuchte ich ein wenig den Zeichenstil des großartigen Hergé („Tim und Struppi“) zu channeln, was mir großen Spaß gemacht hat. Vielleicht versuche ich damit in Zukunft auch mal etwas eigenes.

Anschließend Kontrastprogramm: Zur Anthologie „Silence“ von Moom Comics steuerte ich eine 20seitige Kurzgeschichte bei. Für mich zwei Novums (Noven? Novumse?): Die 20 Seiten sollten ohne Text (keine Captions, keine Sprechblasen) auskommen und sie sollten queeren Bezug haben. Ich hatte in beidem keine Erfahrung, umso mehr machte es mir Spaß, mich dieser Herausforderung zu stellen. Es entstand die Geschichte „The Dreamstudio„, ein Blick hinter die Kulissen einer Traumproduktion. Natürlich nicht ganz ernst gemeint. Auch hier ganz interessant: Der Herausgeber hatte mich eigentlich für die Rubrik „Nightmares“ eingeplant, ich bat ihn aber um einen Slot bei „Dreams“. Im letzten Jahr hatte ich bereits für die Albtraum-Ausgabe von „U-Comix“ eine entsprechende Kurzgeschichte beigesteuert und mir war nun ein wenig nach etwas Leichtem, Komödiantischem. Ich wollte etwas in Richtung 30er Jahre-Animationsfilme machen (sowas wie „Merry Melodies“ oder „Silly Symphonies“). Die Kurzfilme dieser Ära haben mich als jungen Menschen schwer beeindruckt, so dass ich damals auch selbst mit Kopierpapier, Super 8-Kamera und Animationstisch (von Opi gebaut) davon träumte, der nächste Walt Disney zu werden.

Last but not least war es dann noch an der Zeit, „Matt Eagle“ Nr. 10 zu beenden – „Veteran Vigilante“ Teil 1. Alle Zeichnungen waren schon im Vorjahr beendet worden, jetzt ging es „nur noch“ um Lettering, Kolorierung und den ganzen redaktionellen Teil. An Matt zu arbeiten, ist für mich immer Balsam für die geschundene Seele. In diesem Abenteuer geht’s ins Jahr 1972. Matt kehrt aus dem Vietnamkrieg zurück in die USA und gerät dort mit dem Gesetz und kriminellen Gangs aneinander. Teil 2 folgt (hoffentlich) Ende November diesen Jahres.

Aber das gehört in den zweiten Teil des Jahresrückblicks 2026, der erst noch geschrieben (und gezeichnet) werden will!